Erste Annäherungsversuche

Geesthacht. Noch weit nach dem letzten Pfiff standen Handballer und Handballerinnen des VfL Geesthacht und von der Lauenburger SV einträchtig beim Bierchen zusammen und knüpften ersten Kontakte. Suelin Demir (LSV) berichtete Sabrina Peuker (VfL) von ihrer aramäischen Herkunft, andere plauderten über Taktik oder die weitere Abendplanung. So harmonisch war es noch nie zwischen beiden Klubs zugegangen. Und dass, obwohl sich die Männer-Teams im Regionsliga-Derby (Endstand 22:21 für Lauenburg) zuvor ordentlich an die Wäsche gegangen waren.

Den ersten Schritt aufeinander zu hatten die beiden Frauenmannschaften kurz vor der Saison gemacht (wir berichteten). Wegen Personalmangels auf beiden Seiten bilden die VfL-Damen und Lauenburger Elbdiven nun ein Team bei der LSV in der Schleswig-Holstein-Liga. Und gegen die HSG Mönkeberg-Schönkirchen (Endstand 24:35) gab es nun die Heim-Premiere in Geesthacht als Vorspiel vor dem Männer-Derby.

Nervöse Elbdiven
Auf der mit rund 300 Zuschauern gut gefüllten Tribüne am Neuen Krug feuerten Geesthachter und Lauenburger Handball-Fans zunächst gemeinsam ihre „Diven“ an. Wobei den Spielerinnen die Nervosität anzumerken war. Folge: viele leichte Fangfehler, ungenaue Anspiele, überhastete Würfe und eine zögerliche Abwehr. Keine Frage, an Abstimmung und Abläufen müssen die Damen nach wenigen gemeinsamen Einheiten noch feilen. „Und es gibt auch noch keine, die vorangeht und das Heft in die Hand nimm“, hat der vormalige VfL-Coach Thomas Brodeßer beobachtet, der nun mit Carsten Mahnecke (LSV) ein Gespann bildet.

So war es ein ernüchterndes Heimdebüt in Geesthacht. Gegen einen zugegebenermaßen starken Kontrahenten, der kaum Fehler machte, lagen die Elbdiven schnell 0:4 hinten (4.). Danach fingen sie sich zwar und hielten das Duell zunächst offen (11:15, 25.). Doch drei Gegentore in Überzahl kurz vor der Pause, die zum 11:19-Halbzeitstand führten, waren die Vorentscheidung. Dichter als bis auf sieben Tore kam die LSV nicht mehr heran. Am Ende waren es sogar elf Treffer Rückstand (24:35).

Erst mit-, dann gegeneinander
Danach trennten sich die Heimfans vor dem Männer-Duell in zwei Blöcke. „Für wen bist du jetzt? Geesthacht?“, scherzte eine offensichtlich dem Lauenburger Lager zugehörige Frau mit ihrem Sitznachbarn. „Nee. Das ist eine Religionsfrage!“, lautete die prompte Antwort.

Und auch auf der Platte war sie sofort wieder da, die alte Rivalität. Überhart bis teilweise unter der Gürtellinie gingen beide Mannschaften zu Werke. Nach einem Gerangel zwischen Daniel Schwarz (LSV) und Thorben Numrich (VfL), für das beide Kontrahenten eigentlich Rot anstatt zwei Minuten verdient hatten, gab es sogar eine kleine Rudelbildung auf dem Feld. Schiedsrichter Detlef Hahn (Schwarzenbek), der die Partie alleine pfeifen musste, hatte einen schweren Stand.

Die Partie war aber auch packend, eine Werbung für den Handball. Lauenburg lag meist mit ein bis zwei Treffern vorn (Halbzeit 12:10). Und doch hätten die Geesthachter, die ihrerseits nur beim 7:6 (21.) und 16:15 (44.) führten, fast einen glücklichen Punkt mitgenommen. Doch LSV-Torwart Björn Böther parierte vier Sekunden vor dem Ende einen Siebenmeter von Tom Jahrmärker, sodass es beim knappen 22:21-Erfolg blieb.

Anschließend wurde dann auch das Kriegsbeil wieder begraben. „Hinterher muss man sich wieder in die Augen gucken können“, sagte Schwarz und ergänzte: Erst miteinander, dann getrennt: Das war schon eine besondere Situation.“ Aber wer weiß, ob aus diesen ersten Annäherungsversuchen zwischen beiden Vereinen noch mal mehr entsteht, als nur die Kooperation bei den Frauen?

LSV-Tore: Schwarz (5/2), Höltig, Mathias (je 4), Horstmann (3), Lattki, Fengler (je 2), Müller, Reich (je 1)

Quelle Bericht und Foto: Bergedorfer Zeitung vom 19. September 2018