Fünf Sekunden Gefühlschaos

Verrückte Schlussphase – VfL Geesthacht holt im Derby bei der Lauenburger SV den ersten Saisonpunkt

Lauenburg (Dirk Schulz). Im Handball-Derby zwischen der Lauenburger SV und dem VfL Geesthacht läuft der letzte Angriff. Die Geesthachter, das punktlose Landesliga-Schlusslicht, liegen 23:24 hinten, haben aber noch einmal den Ball erobert. Jetzt muss es schnell gehen. Spielertrainer Tommy Huckstorf passt zu Simon Koglin, der an der Neunmeterlinie freie Bahn hat. Das muss der Ausgleich sein!

Dann ein Pfiff: Der VfL hat eine Auszeit genommen. „Wie konnte ich nur?“, steht Geesthachts verletztem Leistungsträger Felix Hamann, der für Huckstorf das Coaching übernommen hat, ins Gesicht geschrieben. Die Chance ist dahin. Fünf Sekunden stehen nur noch auf der Uhr. Der Ball muss zurück zur Mittellinie, Lauenburg kann sich neu postieren.

Alles oder nichts: Der VfL nimmt den Torwart raus, bringt einen siebten Feldspieler. Jetzt pennen die Lauenburger, spielen offene Manndeckung. In Unterzahl. Geesthachts Jan Kullick kommt an den Ball und wirft. Mit der Schlusssirene trifft er zum 24:24-Endstand – Wahnsinn!

„Einfach nur geil“, stammelt der 19-jährige Held des VfL noch ganz ungläubig und strahlt dabei über das ganze Gesicht. „Endlich sind wir mal belohnt worden“, jubelt Trainer Huckstorf, der aufgrund großer Verletzungssorgen nach langer Zeit mal wieder mitwirkte und zur spielbestimmenden Figur des VfL wurde.

Vor gut 200 Zuschauern führen die Hausherren schnell mit 7:4 (15.), agieren in der Folge aber viel zu hektisch und schießen mit überhasteten Würfen VfL-Torwart Thilo Raubenheimer nach und nach zum Helden. Eine Minute vor der Halbzeit geht Geesthacht erstmals in Führung (12:11).

Nach der Pause ziehen die Gäste sogar auf 19:15 (42.) davon. Erst jetzt besinnt sich die LSV darauf, dass sie ja auch noch dringend Punkte im Abstiegskampf benötigt – und beginnt zu kämpfen.

Nach dem 19:19-Ausgleich (45.) geht es hin und her. Mal führt der VfL (21:19, 23:22), mal die LSV (22:21). Beim 24:23 und nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr scheint die Partie zugunsten Lauenburgs entschieden. Jetzt nur noch die Zeit runterspielen, zumal noch kein Zeitspiel angezeigt ist. Aber dann unterläuft Frank Mathias ein kapitaler Fehlpass, der den eingangs besagten Tempogegenstoß einleitet.

Bleibt die Frage, warum Felix Hamann trotz guter Wurfchance für Koglin die Auszeit genommen hat? „Ich hatte das Time-Out schon vorher gelegt und hätte das Spiel natürlich laufen lassen müssen. Aber im Nachhinein habe ich alles richtiggemacht.“ Auch LSV-Trainer Carmelo Hadeler versucht, das Positive in dem Remis zu sehen. „Im Abstiegskampf ist das ein Punktgewinn für uns.“

Wenn da am Ende mal bloß nicht ein Zähler fehlt…

LSV-Tore: Schwarz (9/8), Drewing, Rüger (je 5), Fengler (4), Höltig (1).
VfL-Tore: Jahrmärker (10/3), Kullik (5), Huckstorf, Hintsch (je 3), N. Koglin (2), Jeurink (1).

Quelle Bericht: Bergedorfer Zeitung vom 06. März 2018
Quelle Bild: Facebook VfL Geesthacht 1. Herren