Wie bei Deutschland gegen Slowenien

Lauenburg (Hanno Bode). Kaum ein Spieler der Lauenburger SV hatte am Ende des Handball-Krimis gegen den ATSV Stockelsdorf die Nerven, sich die definitiv letzte Aktion des Landesliga-Duells anzuschauen. Einige blickten zu Boden, andere an die Wand, als LSV-Mittelmann Daniel Schwarz beim Stand von 24:24 zum Siebenmeter gegen Keeper Timo Landt antrat. Die Zeit war bereits abgelaufen. Dieser eine Wurf blieb den Hausherren noch, um die große Überraschung gegen den bisherigen Tabellenzweiten perfekt zu machen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit des Abwartens schmiss der 32-Jährige nach einmaligem Antäuschen den Ball haarscharf an Landts linkem Bein vorbei ins Gehäuse. Der Rest war Lauenburger Ekstase pur in der Hasenberg-Halle. Zunächst brüllte Schwarz seine Freude mit einem Urschrei heraus, anschließend wurde er von seinen Teamkameraden beinahe erdrückt. „Das ist einfach geil, richtig stark“, jubelte Trainer Carmelo Hadeler.

Zunächst hatte es nicht so ausgesehen, als ob die LSV ihren Coup vom Hinspiel (29:26) wiederholen könnte. Den Hausherren unterliefen eingangs leichte Fehler, die der Gast umgehend bestrafte. Ein 4:8 nach 13 Minuten war das Resultat. „Wir mussten uns ins Spiel hineinkämpfen“, analysierte Hadeler später.

Und exakt dies tat sein Team mit viel Herzblut, aggressiver und offensiver Deckungsarbeit. Der Favorit um den früheren LSV-Mittelmann Marcel Busch, der an alter Wirkungsstätte blass blieb, fand in Ballbesitz zunehmend weniger Lösungen. Zur Pause war die ATSV-Führung auf einen Treffer zusammengeschmolzen (12:11).

Es folgte eine zweite Hälfte, die an Dramatik kaum zu überbieten war. Zunächst konnte die LSV egalisieren (15:15/39.), ging bald darauf 21:18 in Führung (47.), um in der 56. Minute wieder den Ausgleich zu kassieren (23:23). Dann sah Stockelsdorf Florian Grotzky nach rüdem Einsteigen gegen Fabian Rüger die Rote Karte (58.). Die Hausherren nutzten die Überzahl durch Jonathan Fengler zur abermaligen Führung. Da war noch knapp eine Minute auf der Uhr.

Der ATSV nahm daraufhin zugunsten eines weiteren Feldspielers seinen Keeper aus dem Gehäuse. Mit Erfolg: Tim Malschewski gelang zwei Sekunden vor Ultimo das 24:24. Geistesgegenwärtig warf LSV-Torwart Björn Böther sofort den Ball zum Anstoßkreis, um seinem Team einen letzten Anwurf zu ermöglichen.

Dieser wurde auch mit der Schlusssirene ausgeführt, aber von Martin Zeschke abgefangen. Allerdings hatte der Stockelsdorfer – wie die Slowenen beim Remis der deutschen Nationalmannschaft bei der EM – nicht den vorgeschriebenen Abstand eingehalten. So entschieden die Referees ohne Videobeweis(!) regelkonform auf Rot für Zeschke und Siebenmeter für die „Zebras“. Es folgten für die LSV-Spieler die gefühlt längsten Sekunden ihres Lebens.

LSV-Tore: Schwarz (7/4), Rüger (6), Mathias (4), Drewing, Höltig, Fengler (je 2), Lange, Lattki (je 1).

Quelle Bericht und Bild: Bergedorfer Zeitung